Erkenne Dich in Deinem Pferd

Liebes Du – ich möchte heute über ein Thema schreiben, was mich sehr bewegt.
Jeder von uns hat eine Leidenschaft, die ihn glücklich macht – und für viele Menschen sind es Pferde beziehungsweise das Reiten.

Ich habe selbst seit Kindesbeinen an auf Pferderücken gesessen. Meine Teenagerjahre verbrachte ich im Pferdestall und nach einigen Jahren „Pause“ hat es mich 2007 wieder erwischt. Wie es mein Leben wollte, traf ich damals auf eine ganz besondere Lehrmeisterin – Donna. Gemeinsam mit ihr probierte ich mich durch nahezu alle möglichen Reitweisen und diverse Bodenarbeitskonzepte.

Wenn Du in der Kindheit etwas gelernt hast, wenn Dir andere etwas vorgemacht haben- „was man eben so macht“, dann stellst Du es meist im Erwachsenenalter auch nicht mehr in Frage. Es ist ein Teil von Dir geworden. Und außerdem: Jeder macht es so, es ist „gesellschaftlich anerkannt“. Es gibt gar keine Alternative – oder?

Warum reiten wir? Warum nutzen wir ein anderes Lebewesen und sagen, es wäre unser Hobby?

Weil wir ein Bild davon im Kopf haben, was „man“ mit einem Pferd tut?

Vielleicht kennst Du das, auch wenn es einem von außen betrachtet eigentlich gut geht, gibt es tief in einem etwas, was einen auf unerklärbare Weise unzufrieden macht. Es ist ein Schmerz, den wir nicht fühlen wollen. Wir vertuschen diesen Schmerz auf alle möglichen Arten. Für den einen ist es der Sport, für den anderen Essen, Computerspiele, der Beruf oder auch Beziehungssucht. Jeder von uns hat seine eigene Form, diesem Schmerz auszuweichen. Viele Menschen verdrängen ihn eben durch das Reiten. Das Kritische daran ist nur, dass wir dadurch ein anderes Lebewesen zwingen, uns bei dieser Verdrängung zu dienen.

Die Pferde-/Reitsportszene ist einer von vielen leidvollen Spiegeln unserer Gesellschaft. Wir sind geprägt durch Machtgedanken und Angst. Wir wollen unter keinen Umständen die Kontrolle verlieren und schätzen die Sicherheit. Wir fühlen uns gut, wenn wir Macht haben können und wir wollen auf keinen Fall, dass irgendjemand Macht über uns hat. Und so spalten wir uns innerlich auf und verlieren den Kontakt zu unserer Natur. Wir laufen sozusagen fragmentiert durch die Welt. Und weil wir uns selbst nur in Fragmenten wahrnehmen können, fühlen wir auch das innere Leid anderer Lebewesen nicht mehr.

Es ist der Schmerz, sich abgetrennt von Mutter Erde zu fühlen. Sich innerlich nutz- und wertlos zu fühlen für das, was wir im Kern sind.

Es ist der Schmerz, seiner eigenen Illusion zu unterliegen, die besagt, dass nur Kontrolle und „Konformität“ dafür sorgt, zur Herde dazu zugehören. Nicht ausgestoßen zu werden, ein Teil von etwas zu sein.

Es ist der Schmerz der Hilflosigkeit, weil uns jegliche Eigenverantwortung unter dem Deckmantel der Erziehung abhanden gekommen ist.

Und so sind wir sehr damit beschäftigt, diese Wunde nicht aufreißen zu lassen.
Wir fahren sozusagen unser Nervensystem auf Null.
Wir können uns selbst nicht sehen (fühlen). Deshalb können wir andere Lebewesen auch nicht wirklich sehen. Es ist wie ein Stillschweigeabkommen. Und deshalb können wir auch nicht erkennen, dass es den Pferden schlecht geht.

Die Reitsportszene ist ein Abziehbild unserer eigenen Versklavung.

Wir sehen nicht die Resignation, die Traurigkeit in den Augen der Pferde, wenn wir sie mittels Horsemanship, Dressur oder anderen Methoden und Konzepten aus der menschlichen Trickkiste für uns nutzbar machen wollen. Wir missachten ihre Körpersprache und hören ihnen nie richtig zu, weil uns auch niemand richtig zu hört. Weil wir unseren eigenen Körper aufgrund des Schmerzes in uns nicht spüren können/wollen, können wir nicht frei kommunizieren.

Wir gehen sogar auf Massenveranstaltungen/Turniere in denen Pferde vorgeführt werden obwohl wir doch wissen und es immer wieder bekräftigen, welch sensibles Wesen es ist.

Wenn wir uns selbst spüren könnten, würden wir nicht behaupten, dass Gebisse in Pferdemäulern „normal“ sind. Wir würden nicht leugnen, dass wir ihnen damit Schmerzen zu fügen. Wir würden erkennen, dass wir es nur benutzen, weil wir Angst vor Kontrollverlust haben und uns und dem Pferd nicht vertrauen können.

Wenn wir uns selbst spüren könnten, würden wir erkennen, dass Sättel und das Festgurten jener dazu führen, dass Nerven und Blutbahnen im Pferdekörper abgeklemmt werden und dieser Bereich bereits nach 15 Minuten taub ist.
Wir würden erkennen, dass wir das nur machen, weil es bequem ist, weil es augenscheinlich sicherer ist, oder: weil es eben alle so machen und behaupten es wäre „gesund“.

Wenn wir uns selbst spüren könnten, würden wir uns keine Sporen anschnallen und behaupten, damit könnten wir „feinere Hilfen“ geben. Wir würden keine Hilfszügel benutzen und behaupten, dass wir das für die Gesundheit unseres Pferdes tun.

Wenn wir uns selbst spüren könnten, würden wir es nicht ständig im Kreis um uns herum laufen lassen und davon sprechen, es „zu gymnastizieren“ zu seinem eigenen Wohl.

Wir erkennen nicht, was die Natur eines Pferdes ist, weil wir die Verbindung zu unserer eigenen Natur vollständig gekappt haben und selbst glauben, dass wir sie nicht wiederfinden werden.

Wir nehmen nicht wahr, dass wir auf dem Rücken unseres Pferdes vor uns selbst davongaloppieren. Vor dieser Wunde in uns.

Deshalb sind wir blind für das Leid, was um uns herum geschieht. Wir manipulieren und kontrollieren. Nicht nur beim Reiten, sondern auch bei der Haltung und Gesundheit unseres Pferdes. Wir sehen es nicht ganzheitlich, weil wir uns selbst auch nur fragmentiert wahrnehmen können.

Wenn wir wahrhaftig in die Augen unseres Pferdes schauen, dann sehen wir unseren eigenen Schmerz. Und wenn wir anfangen, diesen Schmerz in uns zu zulassen, dann können wir mit Pferden (und andere Lebewesen) nicht mehr so umgehen wie bisher. Wir werden alles in Frage stellen. Wir werden aufhören uns selbst zu manipulieren und zu kontrollieren. Wir lassen die Zügel fallen. Wir befreien unser Herz und lassen unser Pferd sein.

Was wir dafür bekommen ist ein großes Geschenk: Wir bekommen eine tiefe Bindung zu unserem Pferd und Vertrauen ins Leben. …und wenn wir dann mit unserem Pferd in Wald und Flur unterwegs sind, werden wir genau spüren, wenn es uns signalisiert, dass es uns nun ein Stück des Weges auf seinem warmen Rücken tragen möchte.

Wer näher ins Thema einsteigen möchte, oder Interesse hat, es selbst zu erleben, kann auf www.menschmitpferd.de schauen und uns im Auetal besuchen kommen. Gern helfe ich Dir und Deinem Pferd auf Eurem gemeinsamen Weg zurück zur Natur – zurück ins Herz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.