Alles zu seiner Zeit

Letzte Woche hatte ich einen Fototermin im Stift Obernkirchen. Als ich dort im Sekretariat aufschlug und durch den Raum schaute, fing mein Blick ein kleines Gefäß auf der Theke ein: Darin steckten die Federn eines Turmfalken. Ich erinnerte mich an meine Federnsammlung und dachte: So eine große Greifvogelfeder habe ich bis jetzt noch nicht gefunden … wäre doch schön …

Als ich nun gestern mit Pauli durch die Felder streifte, schnüffelte er plötzlich intensiv das Aueufer ab. Er sah sehr interessiert aus – ich wurde neugierig und ging zu ihm rüber, um ebenfalls zu schauen, was er denn da Tolles gefunden hatte. Als ich auf den Boden blickte: Federn. Große Federn eines Mäusebussards, der dort wohl vor wenigen Stunden das Leben gelassen hatte. Nur seine Füße und ein paar Knochen waren noch übrig. Und natürlich die Federn.

Einen ähnlichen Gedanken hatte ich am letzten Adventssonntag: Ich halte nichts von gekaufter Weihnachtsdekoration. Ein paar Tannenzweige, Zapfen und dazu Kerzen … ok. Und so dachte ich, ein hübscher Mistelzweig – ja, das wäre doch auch was … Somit achtete ich die letzten Tage häufiger auf die mit Misteln behängten Baumkronen, doch alle Bäume waren viel zu hoch, um dort heranzukommen. So verwarf ich den Gedanken.

Heute Morgen folgten Pauli und ich wieder unserem gewohnten Weg. Eine Stelle an der Aue zog mich plötzlich an – dort ragte eine Birke ihren Kopf gen Himmel und in ihrer kleinen Krone wuchs ein üppiger Mistelzweig. Ich sah meine Chance und streckte mich: Ach Mist – auch zu hoch!

Gleichzeitig meldete sich mein innerer Kritiker: Mach doch hier nicht so einen Terz, was willst du denn jetzt unbedingt diese Mistel haben? Hier draußen ist sie bestimmt viel lieber als irgendwo als Dekoration – ich ließ den Gedanken an sie los. Währenddessen verhedderte ich mich im Gestrüpp, versuchte mich in den dicken Gummistiefeln zu sortieren und blickte auf meine Füße. Da lag er direkt vor mir: Ein wunderhübscher Mistelzweig …

Diese beiden Erlebnisse haben mir einmal mehr gezeigt, wie sehr die Natur für uns da ist, sich um uns kümmert und uns sogar Geschenke macht. Wenn wir uns ihr anvertrauen, gibt sie uns alles was wir brauchen oder einfach nur „wünschen“.

Alles kommt zur richtigen Zeit in unser Leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.